UFOP Fachbeirat

Kapitel 4 des UFOP-Geschäftsberichts 2025/2026

Der UFOP-Fachbeirat fungiert als direktes Beratungsgremium des UFOP-Vorstandes. Er ist maßgeblich verantwortlich für die Abstimmung, Koordinierung und Zusammenführung der inhaltlichen Arbeit sowie der Projektförderung im Rahmen der fünf Fachkommissionen und des UFOP/SFG-Fachausschusses Sortenprüfwesen.

Mit der Übernahme des Vorsitzes durch Prof. Dr. Frank Ordon, Präsident des Julius Kühn-Institutes (JKI), im September 2023 wurde ein Prozess zur Weiterentwicklung des Fachbeirates angestoßen. Dieser soll künftig verstärkt Strategie- und Positionspapiere zum Auftrag der UFOP erarbeiten, die an die Politik adressiert sind. Ziel ist, eine öffentlich geförderte Forschung im Sinne der UFOP-Anliegen anzustoßen. Denn die Fragestellungen rund um die Öl- und Eiweißpflanzen werden zunehmend komplexer und diesbezügliche Projekte bedingen einen sehr hohen Finanzbedarf, der anders als in der Vergangenheit nicht mehr alleine von der UFOP geleistet werden kann. Um für diese neue Ausrichtung eine breite Basis zu schaffen und die UFOP-Fachkommissionen stärker in den Prozess einzubinden bzw. dem Gutachten des Wissenschaftsrates folgend übergreifende Themenschwerpunkte zu entwickeln, wurde der Fachbeirat um zwei bis drei zusätzliche Experten aus den UFOP-Fachkommissionen zu einem Erweiterten UFOP-Fachbeirat ergänzt.

Die Arbeit des Fachbeirates bzw. des Erweiterten UFOP-Fachbeirates wurde im Berichtzeitraum erfolgreich fortgesetzt.

Auf Einladung von Prof. Dr. Jürgen Krahl tagte der erweiterte Fachbeirat am 30. September und 1. Oktober 2025 an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) in Lemgo. Dabei stellte Frau Prof. Dr.-Ing. Susanne Struck das vom BMLEH geförderte Demonstrationsprojekt „Plantein“ vor. Ziel des Vorhabens ist es, landwirtschaftlichen Betrieben neue Einkommensmöglichkeiten durch die Herstellung pflanzlicher Proteinprodukte für die Humanernährung zu eröffnen. Im Mittelpunkt steht die dezentrale Aufbereitung von Kulturen wie Raps, Sonnenblume, Amaranth, Quinoa, Hanf, Leinsamen und Chia direkt auf Betrieben. Landwirte sollen so stärker an der Wertschöpfung partizipieren und neue Absatzwege für hochwertige pflanzliche Lebensmittel erschließen. Gleichzeitig soll ein Netzwerk zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft aufgebaut werden.

Den Schwerpunkt der Sitzung bildete ein umfangreiches Brainstorming zur Erarbeitung eines UFOP-Positionspapiers „Forschungsansätze für Anbau und Verwendung von Raps“. Aufbauend auf dem bereits veröffentlichten Strategiepapier zu Leguminosen soll ein vergleichbares Papier für Raps entstehen, das als Orientierung für zukünftige Forschungsausschreibungen des Bundes dienen kann. Als Grundlage für die Diskussion stellten die Vorsitzenden der Fachkommissionen / Sektionen stellten die Prioritäten in der UFOP-Gremienarbeit vor.

Im Bereich Produktionsmanagement standen Fragen einer nachhaltigen Anbaustrategie im Mittelpunkt. Diskutiert wurden die Vorfruchtwirkung von Körnerleguminosen für Winterraps, der Einsatz von Zwischenfrüchten zur Verringerung von Stickstoffverlusten, die Digitalisierung des Schädlingsmonitorings über Gelbschalen sowie Möglichkeiten zur Verbesserung des integrierten Pflanzenschutzes.

Im Bereich Ökonomie und Markt standen die Themen Ertragsstabilität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Rapsanbaus im Fokus. Diskutiert wurde über die Auswirkungen des Klimawandels, zunehmende Pflanzenschutzrestriktionen sowie die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Pflanzenzüchtung zur Sicherung langfristig stabiler Erträge. Einigkeit bestand darin, dass wirtschaftliche Stabilität und Anbausicherheit wesentliche Voraussetzungen für den Ausbau der heimischen Öl- und Proteinpflanzenerzeugung bleiben.

Für die Humanernährung wurden insbesondere die Potenziale von Rapsprotein bewertet. Als Lösungsansatz diskutiert wurden alternative Extraktionsverfahren, um neue Anwendungen in pflanzlichen Lebensmitteln zu eröffnen. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass Rapsextraktionsschrot in der Nutztierfütterung bislang einen wirtschaftlich gut funktionierenden Absatzmarkt besitzt und die Anreize daher begrenzt sind, die bestehende Ölmühlentechnologien grundlegend umzustellen. Dennoch soll die Entwicklung hochwertiger Rapsproteine für Lebensmittel langfristig weiterverfolgt werden.

Im Bereich Tierernährung wurden alternative Ölgewinnungsverfahren ebenfalls als zentrales Zukunftsthema identifiziert. Neue Technologien könnten demnach hochwertige Proteinprodukte für Lebensmittel und gleichzeitig neue Futtermittelqualitäten als Co-Produkte hervorbringen. Zudem wurde das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial von Rapsextraktionsschrot in der Fütterung von Schweinen und Geflügel hervorgehoben. Der Themenkomplex der alternativen Ölgewinnungsverfahren wird in der nächsten gemeinsamen Sitzung der Fachkommissionen Tier- und Humanernährung weiter vertieft.

Im Bereich Biokraftstoffe und nachwachsende Rohstoffe wurden aktuelle Entwicklungen zur Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), zu Biodiesel sowie zu neuen Einsatzfeldern für Rapsöl diskutiert. Neben der stofflichen Nutzung in der Oleochemie gehören vor allem nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF), Biodiesel im maritimen Bereich sowie hydriertes Pflanzenöl (HVO) zu den zukünftigen Absatzmärkten. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass im klassischen Biodieselbereich inzwischen nur noch sehr begrenzt Forschungsbedarf besteht und der Schwerpunkt künftig stärker auf neuen Anwendungen liegen sollte.

Das Strategiepapier zur Rapsforschung wird gemeinsam mit der GFPi ausgearbeitet. Ziel ist es, konkrete Prioritäten zu formulieren und so zukünftige Förderprogramme aktiv mitzugestalten.

Weiteres Thema der Tagung waren die Entwicklungen der nationalen und europäischen Proteinstrategie. Die UFOP setzt sich für die Erarbeitung einer nationalen Proteinstrategie ein, in deren Mittelpunkt das Rapsextraktionsschrot als wichtigstes heimisches Eiweißfuttermittel und die stärkere Nutzung pflanzlicher Proteine in der Humanernährung stehen sollten. Außerdem sollte die Markttransparenz für die Erzeuger verbessert werden. Gleichzeitig wurden Forschung, moderne Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz und verlässliche Vertragsmodelle als zentrale Voraussetzungen für den Ausbau der heimischer Proteinpflanzenerzeugung hervorgehoben. Die Mitglieder des Erweiterten Fachbeirates bestätigten diese Position einstimmig als Grundlage der zukünftigen Interessenvertretung.

Darüber hinaus informierte Christian Grütters vom Deutschen Raiffeisenverband über aktuelle Entwicklungen der Treibhausgasbilanzierung und Nachhaltigkeitsanforderungen im Food- und Feedbereich. Vorgestellt wurde digitale Systeme der Wirtschaft zur Erfassung betrieblicher Klimadaten, internationale Datenbanken für Lebenszyklusanalysen sowie geplante Vereinfachungen der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung. In der Diskussion wurde von Seiten der UFOP-Geschäftsstelle betont, dass für eine belastbare und vergleichbare Bewertung von Treibhausgasemissionen verbindliche Standards, transparente Systemgrenzen und unabhängige Prüfverfahren erforderlich sind.

In der Sitzung vom 30. März 2026 in Berlin berichteten die Vorsitzenden der Fachkommissionen / Sektionen zunächst aus den jeweiligen Sitzungen. In der Sektion „Ölpflanzen“ wurden Themen wie die Agrar- und Biokraftstoffpolitik, zunehmende Pyrethroid-Resistenzen bei Rapsschädlingen, Forschung zum Schwarzen Kohltriebrüssler sowie die Entwicklungen im Sortenprüfwesen diskutiert. Besondere Bedeutung wurde der künftigen Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln beigemessen. Da kaum neue chemisch-synthetische Wirkstoffe zu erwarten sind, werden innovative Ansätze wie RNA-Interferenz (RNAi) als aussichtsreiche Zukunftstechnologien bewertet.

In der Sektion „Proteinpflanzen“ wurden aktuelle Arbeiten zur Ackerbohnenzüchtung, zur Bewertung und Züchtung alkaloidarmer Lupinen, zu den Ergebnissen des LeguNet-Netzwerks sowie laufende UFOP-Projekte besprochen. Damit die Eiweißpflanzen und die pflanzenbetonte Ernährung innerhalb der neuen Bundesregierung weiterhin politische Priorität genießen, soll das gemeinsam mit der GFPi entwickelte Strategiepapier zum Forschungsbedarf bei Leguminosen nicht nur an das BMLEH, sondern auch an das BMUKN herangetragen werden. Einigkeit bestand darin, dass heimische Körnerleguminosen sowohl in der Agrarpolitik nach 2027 als auch in der öffentlichen Forschungsförderung weiter gezielt unterstützt werden müssen.

Aus den weiteren Fachkommissionen wurden Schwerpunkte zu Agrarpolitik, Biokraftstoffen, Treibhausgasbilanzierung und internationalen Agrarmärkten vorgestellt. Im Bereich „Humanernährung“ standen unter anderem neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu hochverarbeiteten Lebensmitteln (Ultra-Processed Foods UPF), die Aktivitäten des LeguNet, das EthaNa-Verfahren zur Gewinnung von Rapsprotein sowie Forschungsarbeiten zu Sonnenblumenöl und Sonnenblumenprotein auf der Tagesordnung.

In der Fachkommission „Tierernährung“ wurden die Ergebnisse des UFOP-Fütterungsversuchs mit Weißen Süßlupinen in der Bullenmast, neue Erkenntnisse zu Alkaloiden in Lupinen sowie ein Projektvorschlag zur Klimabilanz heimischer Eiweißfuttermittel vorgestellt. Kritisch wurde angemerkt, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei seiner Bewertung von Lupinenalkaloiden offenbar frühere UFOP-Forschungsergebnisse und Empfehlungen zur Tierfütterung nicht ausreichend berücksichtigt hat. Außerdem wurden aktuelle Entwicklungen zur Treibhausgasberechnung in der Landwirtschaft sowie die Bedeutung des Labels „Ohne Gentechnik“ für die Vermarktung von Rapsextraktionsschrot diskutiert.

In der Fachkommission „Biokraftstoffe und nachwachsende Rohstoffe“ wird intensiv über eine Neuausrichtung diskutiert. So sollen zukünftig verstärkt Kommunikationsexperten eingebunden werden und neue Themen der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe aufgegriffen werden.

Ein weiterer Programmpunkt war der Gastvortrag von Mirko Rakoski, Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e.V. (GFPi), der die Aufgaben des Forschungsverbandes der deutschen Pflanzenzüchtungsbranche sowie ihre Strategie „Pflanzenzüchtung 4.0“ vorstellte. Dazu gehören die Entwicklung klimaresilienter Sorten, die Erweiterung der genetischen Vielfalt, moderne Genomanalysen, KI-gestützte Züchtungsmethoden sowie Forschungsarbeiten zu Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Krankheitsresistenzen und Insektenabwehr. Im Bereich Öl- und Eiweißpflanzen laufen zahlreiche Projekte zu Raps, Erbsen, Ackerbohnen und weiteren Kulturen. Hervorgehoben wurden Projekte zur Resistenz gegen Rapsschädlinge sowie zur Bekämpfung virusbedingter Krankheiten. Die GFPi führt Wissenschaft, Pflanzenzüchtung und Wirtschaft als Plattform zusammen und organisiert über Public-Private-Partnership innovative Forschungsprojekte. Obwohl sich die Strukturen von GFPi und UFOP grundsätzlich unterscheiden, bestehen dennoch erhebliche Synergien entlang der Wertschöpfungskette, die künftig durch eine engere Zusammenarbeit stärker genutzt werden sollen.

Im Anschluss wurde der Entwurf des gemeinsamen GFPi-/UFOP-Strategiepapiers „Ideen für Forschungsansätze in Züchtung, Anbau und Verwendung von Raps“ intensiv diskutiert. Die GFPi regte an, die Themen Anbau und Verwertung noch stärker auszubauen und insbesondere die Nutzung von Raps als nachwachsender Rohstoff verständlicher darzustellen. Anschließend wurde die Vorbereitung eines Workshops zum bereits vorliegenden GFPi/UFOP-Strategiepapier über den Forschungsbedarf bei Leguminosen diskutiert. Ziel ist es, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Beratung und weitere Akteure zusammenzubringen, um gemeinsame Projektideen zu entwickeln und öffentliche Fördermittel einzuwerben. Gleichzeitig wurde betont, dass neben der Akquise öffentlicher Mittel UFOP-eigene Fördermittel auch künftig erforderlich bleiben, um kleinere Forschungsprojekte, Anschubfinanzierungen und innovative Ideen flexibel unterstützen zu können. Die UFOP-Geschäftsstelle wurde beauftragt, die Planung des Workshops weiter voranzutreiben.

Insgesamt zeigen die Sitzung des Fachbeirates, dass die UFOP ihre Rolle zunehmend strategisch ausrichtet: Forschung soll künftig stärker durch Kooperationen mit der GFPi und öffentlichen Förderinstitutionen vorangetrieben werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklung eines resilienten Öl- und Proteinpflanzenanbaus, die nachhaltige Nutzung von Raps und Leguminosen in allen Verwendungsrichtungen, die Stärkung heimischer Wertschöpfungsketten sowie die enge Vernetzung von Forschung, Wirtschaft und Politik, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Öl- und Eiweißpflanzensektors langfristig zu sichern.

Portraitbild: © I. Haberkorn/Julius Kühn-Institut (JKI)