Die Fachkommission tagte im Berichtszeitraum online am 26. November 2025 und in Präsenz am 28. April 2026.
In der Herbstsitzung stelle Philip Werkmann, Nestlé Deutschland, in einem Gastvortrag den Nestlé-Ansatz für eine klimagerechte Milcherzeugung vor. Das Unternehmen verfolgt mit dem „Net Zero“-Programm das Ziel, die Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich zu reduzieren. Da der größte Teil der Emissionen in der Milchproduktion entsteht, konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Landwirtschaft. Im Rahmen des Dairy Climate Plans werden Pilotbetriebe in Deutschland und der Schweiz begleitet.
Im Rahmen der Sachstandsberichte wurde zunächst die gemeinsame Sitzung der Fachkommissionen Tier- und Humanernährung aus dem Frühjahr 2025 positiv bewertet. Die Mitglieder sprachen sich dafür aus, diesen interdisziplinären Austausch künftig regelmäßig fortzuführen. Der Marktüberblick zu Ölsaaten zeigte, dass geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und logistische Unsicherheiten die internationalen Märkte zunehmend beeinflussen.
Ein weiterer Sachstandsbericht war den Aktivitäten des LeguNet gewidmet. Hervorgehoben wurden Webinare zur Fütterung heimischer Eiweißpflanzen in Zusammenarbeit mit dem Infoportal Proteinmarkt.de. Darüber hinaus wurde über die Entwicklung eines Alkaloid-Schnelltests für Süßlupinen durch das JKI Groß-Lüsewitz berichtet. Das Verfahren ermöglicht künftig eine schnelle und kostengünstige Feststellung niedriger Alkaloidgehalte und soll die Vermarktung heimischer Süßlupinen erleichtern.
Zum Abschluss diskutierte die Fachkommission ihre zukünftige Arbeitsweise. Angesichts begrenzter Eigenmittel der UFOP wurde vorgeschlagen, künftig stärker öffentliche Förderprogramme zu nutzen und die Fachkommission als Plattform für Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Beratungseinrichtungen weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig wurde betont, dass die erfolgreiche Arbeit der Fachkommission in den vergangenen Jahren fortgeführt und durch eine engere Zusammenarbeit mit anderen UFOP-Fachkommissionen weiter gestärkt werden soll. Dazu soll insbesondere der gemeinsame Austausch mit der Fachkommission Humanernährung weiter ausgebaut werden.
In der Frühjahrssitzung stellte Petra Kühne einen Milchkuhfütterungsversuch der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt in Iden vor. Untersucht wurde, ob Weiße Süßlupinen Rapsextraktionsschrot als heimische Proteinquelle ersetzen können. Im Ergebnis bewertete die Fachkommission Weiße Süßlupinen als vielversprechende heimische Eiweißquelle für Milchkühe, sofern ein sorgfältiges Qualitätsmanagement erfolgt.
Breiten Raum nahm in der Sitzung die Aktualisierung von UFOP-Praxisinformationen ein. Die überarbeitete Ausgabe zur Schweinefütterung mit Ackerbohnen, Futtererbsen, Süßlupinen und Sojabohnen wurde vorgestellt und soll verstärkt verbreitet werden. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Praxisinformation zur Rinderfütterung grundlegend zu überarbeiten sowie die Ergebnisse aus dem Milchkuhfütterungsversuch in Iden einfließen zu lassen, u.a. auch zum Übergang von Alkaloiden in die Milch.
Insgesamt verdeutlichen die in den Sitzungen diskutierten Inhalte die strategische Ausrichtung der UFOP auf eine nachhaltige und wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung heimischer Eiweißfuttermittel. Im Mittelpunkt stehen die stärkere Nutzung von Raps und Körnerleguminosen, die Verbesserung der Futterqualität, der Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis sowie die stärkere Vernetzung von Forschung, Beratung, Wirtschaft und Politik. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Proteinpflanzen zu erhöhen und gleichzeitig einen Beitrag zu einer klima- und ressourcenschonenden Nutztierhaltung zu leisten.
Neue UFOP-Projektvorhaben
Monitoring Ölschrote bzw. Monitoring von Proteinfuttermitteln (Rapsextraktionsschrot, Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen)
Projektbetreuung: Bundesarbeitskreis der Fütterungsreferenten der Bundesländer und Landwirtschaftskammern bei der DL
Laufzeit: Januar 2004 bis Dezember 2024 bzw. Februar 2025 bis Dezember 2029
Durch Veränderungen der Personalstruktur der Länderdienststellen kann eine bundesweite Probenziehung der Rapsextraktionsschrot (RES)-Muster durch die Fütterungsreferenten der Bundesländer nicht mehr sichergestellt werden. Das RES-Monitoring wurde daher neu aufgestellt und erneut um den Bereich der Körnerleguminosen erweitert. Für die Beprobung bei Ackerbohnen, Körnererbsen, Süßlupinen und Sojabohnen wird eine Kooperation mit dem LeguNet durchgeführt.
Die Ergebnisse des UFOP-Monitorings werden regelmäßig unter www.proteinmarkt.de veröffentlicht.
Einsatz der Weißen Lupine in der Fütterung von Kreuzungstieren aus der Milchviehhaltung – Erfassung von Wachstumsverläufen, Schlachtkörper- und Fleischqualität
Projektbetreuung: Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg- Vorpommern
Laufzeit: September 2024 Dezember 2026
In der Praxis und im Lebensmitteleinzelhandel besteht ein zunehmendes Interesse, Fleisch aus Kreuzungsanpaarungen mit hoher Fleischqualität zu vermarkten, das regional und weitgehend unter Verwendung regionaler Futterkomponenten produziert wurde. Daraus ergeben sich zwei Teilfragen für das Projektvorhaben:
- Es soll die Eignung der Weißen Süßlupine als Kraftfutterkomponente in der Bullenmast geprüft werden
- Darüber hinaus sollen Wachstumsverläufe sowie Mast- und Schlachtleistungen von regional relevanten Kreuzungsanpaarungen (Angus x DH und Uckermärker x DH) untersucht werden.
Da der Mastversuch auf einem Praxisbetrieb stattfindet, berücksichtigt die Versuchsdurchführung die Gegebenheiten vor Ort.
Trotz Alkaloidgehalten oberhalb des bisherigen Richtwertes zeigten die Tiere im Vorhaben eine gute Akzeptanz der Rationen. Die täglichen Gewichtszunahmen in den Versuchsgruppen lagen praktisch auf dem Niveau der Kontrollgruppen, während die Futteraufnahme geringfügig niedriger ausfiel. Da Alkaloide nach aktuellem Kenntnisstand nicht in das Fleisch übergehen, könnte die Bullenmast daher künftig eine sinnvolle Verwertungsmöglichkeit für Lupinenpartien mit durch Umwelteinflüssen erhöhtem Alkaloidgehalt darstellen.