5.4 Fachkommission Humanernährung

Sektionen Wissenschaft und Technologie

Im Berichtszeitraum tagten beide Sektionen gemeinsam am 4. Dezember 2025 online und am 29. April 2026 in Präsenz. Im Frühjahr fand zusätzlich ein gemeinsamer Sitzungsteil mit der UFOP-Fachkommission Tierernährung statt.

Breiten Raum nahm in der Herbstsitzung die Diskussion um die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Alkaloiden in Süßlupinen ein. Dr. Manuela Specht schilderte die erhebliche Verunsicherung, die durch die Veröffentlichung entstanden war. Aus Sicht der UFOP und der Gesellschaft zur Förderung der Lupine (GFL) wurde in der öffentlichen Kommunikation nicht ausreichend zwischen Bitter- und Süßlupinen unterschieden, wodurch ein falscher Eindruck hinsichtlich der Sicherheit von Süßlupinen als Lebensmittel entstand. Die UFOP reagierte mit Klarstellungen gegenüber den Medien und die GFL forderte das BfR zu einer Überarbeitung der Stellungnahme auf.

Anschließend wurde in einem Gastreferat das Verbundprojekt „PIONEER – ProteinInnOvation für NachhaltigEErnähRung“ vorgestellt. Das Netzwerk verbindet 27 Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu alternativen Proteinquellen und wird von der DLG, der HAW Hamburg und der Food-Processing Initiative koordiniert. Ziel ist die Vernetzung von Projekten zu pflanzlichen, fermentierten, insektenbasierten und zellkultivierten Proteinen, um Synergien zu schaffen und die Umsetzung einer nationalen Eiweißpflanzen- und Proteinstrategie zu unterstützen.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt in der Sitzung bildete das Thema Sonnenblumen. Zunächst wurden Anbau, Verarbeitung und Marktentwicklung von Sonnenblumenöl vorgestellt. Demnach ist Sonnenblumenöl nach Rapsöl das zweitwichtigste Pflanzenöl im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Deutschland verfügt jedoch nur über vergleichsweise geringe Sonnenblumen-Anbauflächen und ist bei der Rohstoffversorgung stark auf Importe – insbesondere aus der Ukraine – angewiesen.

Im Anschluss wurden aktuelle Forschungsarbeiten des Fraunhofer IVV zur Gewinnung von Sonnenblumenprotein vorgestellt. Im Rahmen der Projekte „SunflowerProtein“ und „SmartProSun“ wurden nachhaltige Verfahren entwickelt, um Sonnenblumenkerne vollständig zu verwerten. Ziel ist die gleichzeitige Herstellung von Speiseöl, hochwertigen Proteinzutaten, ballaststoffreichen Konzentraten sowie Polyphenolfraktionen. Die Technologie wurde bereits kommerzialisiert: Sonnenblumenprotein findet inzwischen beispielsweise in veganen Fleischersatz-Produkten Verwendung.

Zum Abschluss diskutierte die Fachkommission ihre zukünftige Forschungsstrategie. Einigkeit bestand darin, die bisherige Förderung einzelner Projekte durch eine stärker strategisch ausgerichtete Forschungsplanung zu ergänzen. Gemeinsam mit der GFPi sollen Positionspapiere zum Forschungsbedarf bei Leguminosen und Raps als Grundlage für die Einwerbung öffentlicher Fördermittel dienen.

In der Frühjahrssitzung erfolgten zunächst Sachstandsberichte. Vorgestellt wurden die Vorbereitung des Pflanzenprotein-Symposiums 2026, die Weiterentwicklung der Kampagne „DIE VIER VON HIER! Körnerleguminosen aus Europa für eine nachhaltige Ernährung“ und das LeguNet-Netzwerk. Im Hinblick auf eine nationale Proteinstrategie bekräftigten die Fachkommissionsmitglieder das Ziel, die Nutzung heimischer Proteinpflanzen sowohl in der Human- als auch in der Tierernährung weiter auszubauen und Forschung, Wirtschaft sowie Politik stärker miteinander zu vernetzen.

Einen Schwerpunkt bildete die US-Diskussion um sogenannte „Seed Oils“. Hiermit einhergehend werden in sozialen Medien Pflanzenöle wie Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl zunehmend mit Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht. Die Fachkommissionsmitglieder stellten klar, dass diese Behauptungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Vielmehr zeigen zahlreiche Interventions- und Beobachtungsstudien, dass insbesondere Rapsöl aufgrund seines günstigen Fettsäuremusters mit einem hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren sowie einem ausgewogenen Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ernährungsphysiologische Vorteile besitzt.

Im abschließenden Brainstorming wurden zukünftige Forschungsthemen diskutiert. Neben einer neuen Humanstudie zur gesundheitlichen Wirkung von Rapsöl waren weitere Themen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fettsäurezusammensetzung der Rapssaat sowie den Einsatz moderner Züchtungsverfahren wie Genome Editing.

Insgesamt verdeutlichen die Sitzungsinhalte die strategische Ausrichtung der UFOP auf die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Lösungen für eine nachhaltige Ernährung. Im Mittelpunkt stehen die hochwertige Nutzung heimischer Öl- und Proteinpflanzen, die evidenzbasierte Kommunikation ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse, die Förderung praxisnaher Forschungsprojekte mit hohem Innovationspotenzial sowie die Vernetzung von Forschung und Wirtschaft.

Ziel der gemeinsamen Beratung beider Fachkommissionen war es, Forschungsbedarfe an der Schnittstelle zwischen Tier- und Humanernährung zu identifizieren und zukünftige Strategien abzustimmen.

Den fachlichen Schwerpunkt bildete die Vorstellung verschiedener hexanfreier Verfahren zur Herstellung hochwertiger Rapsprodukte. Präsentiert wurden drei unterschiedliche Ansätze: die Extraktion mit überkritischem CO2, das EthaNa-Verfahren des Fraunhofer CBP, sowie ein Verfahren mit der 2-Metyloxolane-Technologie. Alle Ansätze verfolgen das Ziel, Rapsprotein möglichst schonend aus Rapssaat oder Rapskuchen zu gewinnen, antinutritive Inhaltsstoffe wie Glucosinolate zu reduzieren und hochwertige Proteinprodukte sowohl für die Human- als auch für die Tierernährung bereitzustellen. Gleichzeitig sollen bisher wenig genutzte Nebenströme wirtschaftlich verwertet und damit die gesamte Wertschöpfung der Rapspflanze verbessert werden.

Am Ende der Sitzung sprachen sich die Mitglieder beider Gremien ausdrücklich dafür aus, den gemeinsamen Sitzungsteil im Frühjahr 2027 fortzusetzen, da der interdisziplinäre Austausch als sehr wertvoll bewertet wurde.