Der vorliegende Bericht ist ein Spiegelbild der Herausforderungen, denen sich der gesamte Agrarsektor stellen muss. Klimaveränderungen und zunehmende Extremwetterereignisse machen Anpassungen im Ackerbau erforderlich. Gleichzeitig müssen Absatzmärkte entwickelt und stabilsiert werden, damit der wirtschaftliche Ertrag der Betriebe gegeben ist. Ackerbaulich blicken wir auf eine enttäuschende Rapsanbausaison 2025/26 zurück. Die Erträge lagen oft weit unter den Erwartungen und weit entfernt vom züchterischen Potenzial der Kultur. Einmal mehr wurde deutlich, dass der Ackerbau nicht in einer Werkhalle, sondern unter freiem Himmel produziert. Selbst der sonst für seine Kompensationsfähigkeit bekannte Raps konnte Hitzestress und Dürre sowie den Befall mit Schädlingen in dieser Saison nicht wettmachen.

Bei vielen Ackerkulturen kamen neben niedrigen Erträgen auch noch niedrige Erzeugerpreise hinzu. Beim Raps können wir dagegen festhalten, dass die stabile Nachfrage aus dem Biokraftstoffbereich die Wirtschaftlichkeit des Anbaus sicherstellt. Denn auch bei einer guten Ernte reicht die heimische Erzeugung nicht aus, die Nachfrage der heimischen Biodieselproduzenten zu bedienen. Daher hat sich die UFOP in den zurückliegenden Monaten erneut sehr erfolgreich dafür eingesetzt, diese Absatzoption zu erhalten. Mit der Änderung des THG-Quotengesetzes hat der Bundestag langfristige Rahmenbedingungen für mehr Biokraftstoffe und Klimaschutz gesetzt und gleichzeitig wichtige Maßnahmen zur Betrugsprävention beschlossen.

Auch in Brüssel konnte ein wichtiger verbandspolitischer Erfolg errungen werden. Das EU-Parlament lehnte den Entwurf einer Delegierte Verordnung der EU-Kommission zur Einstufung von Sojabohnen als iLUC-Rohstoff ab. Es wäre auch absurd gewesen, einerseits den europäischen Anbau von Eiweißpflanzen mit dem Ziel einer resilienten Proteinversorgung zu fördern, gleichzeitig aber mit der Einstufung der Sojabohne als iLUC-Rohstoff einen wesentlichen Bestandteil der Wertschöpfung zu zerstören.

Das zurückliegende Jahr hat aber den Anpassungsbedarf beim Pflanzenschutz deutlich gemacht. Durch den Wegfall wirksamer Insektizide können Rapserdfloh, Kohlschotenmücke und Co. nur noch unzureichend bekämpft werden. Das kostet die Betriebe Jahr für Jahr Ertrag und damit Einkommen. Hier müssen schnellstmöglich neue Lösungen gefunden werden, ganz im Sinne des im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD festgelegten Leitgedankens „Verantwortung für Deutschland“.

Im Bereich Körnerleguminosen sind wir in Deutschland auf einem guten Weg nach vorne. Wir wollen zusätzliche Absatzmärkte entwickeln und die Mengenflüsse in Richtung Ernährung und Futtermittel erhöhen. Dazu braucht es jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, sowohl in der Agrarpolitik als auch bei Investitionen in Forschung und Innovation in der Pflanzenzüchtung, in der Produktionstechnik und zur Entwicklung innovativer Lebensmittel.

Wir wollen einen nachhaltigen, wirtschaftlich erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Ackerbau in Europa sichern. Erweiterte Fruchtfolgen sind aus Sicht der UFOP dabei ein wichtiges Element zur Anpassung an den Klimawandel. Die von UFOP-Expertinnen und -Experten fachlich untermauerte „10+10“-Strategie soll das Anbau- und Nutzungspotenzial von Raps und Körnerleguminosen heben und ihre Ökosystemleistungen für Biodiversität und Bodenqualität sichtbar machen.

Fundament dieser erfolgreichen Arbeit ist unser bis heute einzigartiges interprofessionelles Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft, in dem Antworten auf vielfältige neue Herausforderungen entwickelt werden. Unser Auftrag bleibt, Anbau und Absatz heimischer Öl- und Proteinpflanzen durch Forschungsvorhaben weiterzuentwickeln, die von den Fachkommissionen initiiert und von der UFOP gefördert werden. Unser herzlicher Dank gilt den engagierten Persönlichkeiten in den UFOP-Gremien für ihre sachkundige Mitarbeit.

Wir empfehlen Ihnen ausdrücklich die Lektüre der einzelnen Kapitel dieses Berichtes. Es lohnt sich.

Torsten Krawczyk

Vorsitzender