Sektion Ölpflanzen
Die Sitzung der Sektion Ölpflanzen der UFOP-Fachkommission Produktionsmanagement Öl- und Proteinpflanzen fand am 26. und 27. Februar 2026 in Berlin statt.
Prof. Becke Strehlow, Hochschule Neubrandenburg, stellte als Gastvortrag aktuelle Forschungsarbeiten zum integrierten Pflanzenschutz vor. Im Mittelpunkt standen ein bundesweites Monitoring der Kohlhernie, Untersuchungen zu resistenzbrechenden Kohlhernie-Pathotypen sowie alternative Bekämpfungsverfahren mittels UV-C-Strahlung und pflanzenbauliche Maßnahmen gegen den Rapserdfloh unter Praxisbedingungen.
Breiten Raum nahmen weitere die agrar- und biokraftstoffpolitischen Rahmenbedingungen sowie aktuelle Forschungsergebnisse zum Pflanzenschutz ein. Zum Rapserdfloh wurde berichtet, dass sich Pyrethroid-Resistenz weiter ausbreitet. Ergänzend wurden Diamid-Insektizide sowie neue Wirkstoffe als Bestandteile einer Anti-Resistenzstrategie betrachtet. Offene Fragen bestehen noch zur Kombination verschiedener Beizverfahren und zu alternativen Bekämpfungsmaßnahmen wie RNAi-Technologie.
Im Bereich Sortenprüfwesen wurden die Ergebnisse der Winterraps- und Sonnenblumenversuche vorgestellt. Weiterführend wird hier auf das Kapitel 6 „Versuchswesen“ verwiesen.
Einen wichtigen Teil der Sitzung bildete die Diskussion über zukünftige Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte. UFOP und GFPi erarbeiten derzeit ein gemeinsames Strategiepapier mit Ideen zur Züchtung, zum Anbau und zur Verwendung von Raps. Als übergeordnete Leitmotive sollen Versorgungssicherheit, heimische Wertschöpfungsketten und die Optimierung der Treibhausgasbilanz berücksichtigt werden.
Für die zukünftige Forschungsförderung wurden zahlreiche Themen identifiziert. Im Bereich Düngung stehen effiziente Herbstdüngung, Unterfuß- und Depotdüngung, Inhibitoren, Mikrogranulate, Bestandesführung bei „Protein-Raps“ sowie der Rapsanbau nach Körnerleguminosen im Fokus. Bei den Schadinsekten wurden neue Bekämpfungsrichtwerte, alternative Bekämpfungsverfahren, Blühstreifen zur Förderung natürlicher Gegenspieler und digitale Monitoringverfahren erörtert. Daneben waren grundsätzliche Fragen zu stagnierenden Rapserträgen, den Auswirkungen des Klimawandels sowie zum Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Beratung Gegenstand der Diskussion.
Insgesamt verdeutlichte die Fachkommissionssitzung die enge Verzahnung von Forschung, Pflanzenzüchtung, Beratung und Agrarpolitik sowie den Anspruch der UFOP, aktuelle Herausforderungen des Rapsanbaus durch praxisnahe Forschung und koordinierte Projektförderung zu bearbeiten.
UFOP-Projektvorhaben
Verbesserung der Prognose des Auftretens und der möglichen Schäden durch den Schwarzen Kohltriebrüssler im Winterraps
Projektbetreuung: Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, JKI Braunschweig
Laufzeit: Juni 2024 bis Mai 2027
Der Schwarze Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus picitarsis) breitet sich in den letzten Jahren immer weiter aus. Aktuelle Befallsgebiete erstrecken sich südwestlich der Achse vom nördlichen Nordrhein-Westfalen über Hessen bis Bayern. Eine weitere Verbreitung des Schaderregers ist wahrscheinlich. Das Auftreten ist zum Beispiel auch für den Raum Braunschweig bekannt. Der Larvenfraß am Vegetationskegel führt zu Auswinterungsverlusten oder stark verbuschten Pflanzen mit entsprechenden Ertrags- und Qualitätseinbußen von 10 bis 20 %. Aktuell gibt es keine einheitliche Schadschwelle für den Schwarzen Kohltriebrüssler. Die Kontrolle erfolgt mit Pyrethroiden, allerdings sind in Frankreich kdr-Mutationen bereits verbreitet. Das vorhandene Wissen zur Biologie und Schadwirkung des Schwarzen Kohltriebrüsslers ist lückenhaft und beruht auf wenigen, zum Teil sehr alten Untersuchungen. Daher besteht aktueller Forschungsbedarf, um ein besseres Verständnis zum Auftreten und zur Schadwirkung unter heutigen Anbausystemen zu erlangen.
Sektion Proteinpflanzen
Die Sitzung der Sektion Proteinpflanzen der UFOP-Fachkommission Produktionsmanagement Öl- und Proteinpflanzen fand am 3. Dezember 2025 in Berlin gemeinsam mit dem UFOP-Expertenkreis Proteinpflanzen statt.
In einem Gastvortrag stellte Hanna Tietgen, NPZ Innovation Hohenlieth, aktuelle Arbeiten zur angewandten Züchtungsforschung bei der Ackerbohne vor. Ziel ist die Entwicklung leistungsfähiger Sorten mit höherem Ertrag, verbessertem Proteingehalt und einer besseren Anpassung an Trockenheit, Hitze sowie Krankheiten und Schädlinge. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus), der erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht.
Ein zweiter Gastvortrag von Florian Haase, GFL-Vorsitzender und JKI Groß-Lüsewitz, war der Bewertung von Chinolizidinalkaloiden (QA) in Lupinen gewidmet. Vorgestellt wurde zunächst die in Teilen unpräzise formulierte Veröffentlichung des Bundesinstituts für Risikobewertung vom September 2025 und die Kritik der Lupinenzüchtung daran sowie an der damit ausgelösten negativen öffentlichen Diskussion. Das BfR weist auf bestehende Wissenslücken, fehlende EU-Grenzwerte und die Notwendigkeit eines systematischen Monitorings hin, das aber bereits in Zusammenarbeit zwischen BfR und GFL läuft. Gleichzeitig wurde von Haase betont, dass vom BfR eine sachliche Risikoeinschätzung und Kommunikation erforderlich ist, die klar zwischen Bitter- und Süßlupinen unterscheidet und den tatsächlichen Kenntnisstand transparent darstellt.
Im Rahmen einer Tischumfrage berichteten Vertreter aus Landwirtschaft, Beratung und Forschung über den Saisonverlauf 2025. Während Ackerbohnen vielerorts unter Hitze, Trockenheit, Pilzkrankheiten und starkem Befall durch den Ackerbohnenkäfer litten, wurden bei Sojabohnen und Erbsen teilweise sehr gute Erträge erzielt.
Im Anschluss erfolgte ein Rückblick auf das UFOP-Symposium „Pflanzenprotein 2025“, das erneut als erfolgreich bewertet wurde.
Danach stellte Dr. Manuela Specht den Diskussionsstand der europäischen und nationalen Proteinstrategie vor. Weiterführend hierzu wird auf das Kapitel 1.2 „Politik“ verwiesen. Vorgestellt wurde außerdem die europäische Roadmap „Towards a Legume Renaissance“, an deren Erstellung unter anderem UFOP, NPZ und LeguNet beteiligt waren. Die Roadmap beschreibt Wege zur stärkeren Nutzung von Ackerbohnen und anderen Leguminosen in Europa.
Einen breiten Raum nahm der Bericht über die Aktivitäten des LeguNet ein. Das Netzwerk ist im Rahmen der BMLEH-Eiweißpflanzenstrategie bis Ende 2027 finanziert und entwickelte sich 2025 zu einer zentralen Plattform für Wissenstransfer und Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die UFOP-Sektionsmitglieder würdigten LeguNet als zentrales Instrument zur Förderung heimischer Eiweißpflanzen.
Im Bereich Sortenprüfwesen wurden die Ergebnisse der EU-Versuche bei Ackerbohnen- und Futtererbsen vorgestellt. Weiterführend wird hier auf das Kapitel 6 „Versuchswesen“ verwiesen.
Zum Abschluss diskutierte die Sektion ihre zukünftige Forschungsstrategie. Statt ausschließlich auf eingereichte Einzelprojekte zu reagieren, soll die UFOP künftig stärker eigene Forschungsschwerpunkte definieren und gemeinsam mit der GFPi öffentliche Fördermittel einwerben. In Überlegung ist daher die Organisation eines Workshops mit Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Beratungseinrichtungen, um gemeinsame Forschungsbedarfe zu formulieren und diese stärker in nationale Förderprogramme einzubringen.
Insgesamt verdeutlichen die Sitzungsinhalte den Wandel der UFOP-Arbeit von der klassischen Projektbegleitung hin zu einer aktiven Forschungs- und Innovationsplattform. Neben aktuellen Fragestellungen zu Züchtung, Pflanzenschutz und Qualitätssicherung gewinnen künftig insbesondere die Vernetzung wissenschaftlicher Akteure, der Wissenstransfer in die Praxis, die Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten sowie die Umsetzung einer europäischen und einer nationalen Proteinstrategie an Bedeutung. Ziel bleibt es, die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Eiweißpflanzen langfristig zu stärken und ihren Beitrag zu einer resilienten und nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft auszubauen.
Neues UFOP-Projektvorhaben
Auswirkungen einer Unterfußdüngung mit Mikronährstoffen bei variierter Saattechnik und Saatmenge auf Ertrag und Proteingehalt bei Ackerbohnen
Projektbetreuung: Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, Pflanzenbau & nachhaltige Anbausysteme
Laufzeit: Februar 2025 bis Februar 2026
Der Anbau von Körnerleguminosen stellt viele Erzeuger vor das Problem geringerer Marktleistungen im Vergleich zu konkurrierenden Feldfrüchten. Neben niedrigeren Preisen spielen auch die zum Teil deutlichen Ertragsschwankungen eine große Rolle. Neben witterungsbedingten Keim- und Auflaufschwierigkeiten haben auch Schaderreger im Vegetationsverlauf einen Einfluss. Ebenso ist eine ausreichende Wasserverfügbarkeit v.a. während und nach der Blüte essenziell. Hier knüpft das geplante Projektvorhaben an: Es wird erwartet, dass eine bessere Versorgung der Ackerbohne mit den Mikronährstoffen Bor, Mangan, Zink und Molybdän sowie eine verbesserte Standraumverteilung im Feld durch Einzelkornsaat zu einer besseren Jugendentwicklung, einer resilienteren Einzelpflanze und somit zu einem höheren – und weniger schwankenden – Ertrag führt.
Die Versuchsergebnisse zeigen, dass vor allem das Aussaatverfahren den Ertrag und Proteingehalt beeinflusste. Dagegen hatten unterschiedliche Saatmengen und eine Mikronährstoff-Unterfußdüngung keine statistisch gesicherten Effekte, auch wenn positive Tendenzen bei der Knöllchenbildung beobachtet wurden. Der extreme Hitzestress während der Blüte überlagerte jedoch viele potenzielle Behandlungseffekte, so dass abschließende Aussagen zur Arbeitshypothese nicht möglich sind.