In der Fachkommission Ökonomie und Markt werden über alle Produktbereiche hinweg Fragen der Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und Verarbeitung der UFOP-Kulturen behandelt. Zudem werden agrar- und energiepolitische Rahmenbedingungen beraten, die den Sektor der Öl- und Eiweißpflanzen beeinflussen. Zunehmende Bedeutung hat die Treibhausgas-Bilanz als Wettbewerbsfaktor.
Die UFOP-Fachkommission unter dem Vorsitz von Dieter Hagedorn tagte im Berichtszeitraum im Oktober 2025 und April 2026 in Berlin. Im Mittelpunkt standen Veränderungen der Rahmenbedingungen für Öl- und Eiweißpflanzen – von internationalen Agrarmärkten und der Biokraftstoffpolitik als wichtigstem Absatzmarkt für heimische Ölsaaten bis hin zu neuen Geschäftsfeldern wie Carbon Farming.
Christian Gaebel, DBV, gab im April 2026 einen Überblick über den Stand der GAP-Reformverhandlungen. Er stellte die bisherigen Regelungen den ab 2028 vorgesehenen Regelungen gegenüber, die der Berufsstand insbesondere wegen der geplanten Reduzierung des Finanzrahmens ablehnt. Für 2028 bis 2034 fordert die EU-Kommission insgesamt 2 Billionen EUR, auch für die Bewältigung der zentralen Herausforderungen. Gaebel erläuterte die Kritik des DBV, darunter die Ablehnung von Degression und Deckelung nach Betriebsgröße sowie des geplanten Partnerschaftsfonds. Die Verbände setzen sich gegenüber EU-Kommission, Parlament und Rat für Korrekturen ein. Angesichts der schwierigen Einkommenssituation in vielen Bereichen des Ackerbaus und der Veredelungswirtschaft müsse die geplante Mittelreduzierung und Neustrukturierung verhindert werden
Dieter Bockey, UFOP, erläuterte die Preisentwicklung bei Kraftstoffen, insbesondere bei HVO, das zunehmend in Flotten und an öffentlichen Tankstellen eingesetzt und angeboten wird. Schwerpunkt waren die vom Bundestag beschlossenen Änderungen des THG-Quotengesetzes: die schrittweise Anhebung der THG-Quote auf 65 % bis 2040 sowie die Kappungsgrenze für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse von 5,8 % bis 2033. Da 2026 die RED III mit entsprechenden Quotenverpflichtungen in nationales Recht umgesetzt werden muss, seien Auswirkungen auf den künftigen Biomassebedarf zu erwarten. Bockey regte daher eine Biomassestudie an, um die anstehende Debatte aktiv mitzugestalten.
Bockey verwies zudem auf eine absehbare Rohstoffknappheit bei dieselersetzenden Kraftstoffen, insbesondere wenn neben Palmöl auch Sojaöl als „iLUC“-Rohstoff eingestuft wird. Dr. Gerhard Brankatschk, OVID, erläuterte die wirtschaftliche Bedeutung des bei der Sojabohnenverarbeitung anfallenden Sojaöls. Bei einer Einstufung als „high-iLUC“-Rohstoff seien Verlagerungseffekte und Stilllegungen zu befürchten. Verschiedene Initiativen, an denen auch die UFOP beteiligt ist, richten sich deshalb gegen die geplante Einstufung von Sojaöl als “high-iLUC“-Rohstoff. Dr. Brankatschk stellte zudem die Berechnung und aus Sicht der Ölsaatenwirtschaft bestehenden methodischen Fehler dar.
Nadja Pooch, AMI, gab einen Überblick über die Märkte für Ölsaaten, Soja, Raps und Sonnenblumen sowie für Pflanzenöle und Schrote. Sie hob die aktuell für die Rapserzeuger positive Preisentwicklung hervor. Der Vorsitzende fasste dies mit der Feststellung zusammen: „Raps ist die einzige Kultur, die aktuell im Ackerbau ‚Freude‘ macht“.
REDcert-Geschäftsführer Peter Jürgens stellte Lösungen für die Ernte 2026 vor, insbesondere zur betrieblichen Identifizierung organischer Flächen mithilfe der FLIK-Suche und zur Verrechnung der THG-Werte entsprechend dem Anteil organischer Standorte in einem NUTS2-Gebiet auf Grundlage der vom Thünen-Institut bereitgestellten Moorkulisse. Weiterhin problematisch sei die zuverlässige Anwendung der Unionsdatenbank (UDB), da die EU-Kommission bei technischen Problemen weiterhin keine ausreichende Betreuung und Beratung sicherstelle. Eine weitere Herausforderung sei die Akkreditierungspflicht der Zertifizierungsstellen, da die zuständige nationale Stelle DAKKS nicht das erforderliche Tempo entwickle und zudem eine EU-weit harmonisierte Umsetzung erforderlich sei.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung im April 2026 waren Handels- und Zollabkommen der EU mit Drittstaaten. Dr. Oliver von Ledebuhr, BMLEH, bewertete das aktuelle Handelsumfeld kritisch. Die Konflikte im Nahen Osten könnten größere Auswirkungen auf die globale Wirtschaft und Landwirtschaft haben als der 2022 begonnene Ukraine-Konflikt. Dies zeige sich am Anstieg der Preise für fossile Energieträger und Düngemittel bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Agrarrohstoffe. Besonders betroffen seien ärmere Regionen, insbesondere in Afrika.
Dr. Oliver Mellenthin, BMLEH, unterstrich die Bedeutung der im Koalitionsvertrag angekündigten Exportstrategie. Diese habe im Haus eine hohe Priorität. Bundesregierung und EU setzten sich – im Gegensatz zu den USA – für einen regelbasierten internationalen Handel und die WTO ein. Er informierte über die Handelsvereinbarungen mit Australien, Indien und Mexiko sowie über das Mercosur-Abkommen und die dazu vorgesehenen Schutzklauseln für die EU-Landwirtschaft. Dennoch werde das Abkommen vor allem seitens der polnischen Regierung kritisiert. Das Abkommen zur Wiederannäherung Großbritanniens an die EU enthalte noch kritische Punkte wie die Nutzung neuer Züchtungstechnologien. Auch die schwierige Handelssituation mit den USA wurden angesprochen. Mit den USA müsse zwangsläufig laufend verhandelt werden, zumal der Supreme Court die erhobenen Zölle zuletzt als unrechtmäßig beurteilt hatte. Stephan Arens, UFOP, verwies auf die Exportzollpolitik der Ukraine und deren negative Auswirkungen auf den europäischen Ölsaatensektor. Die UFOP habe das Thema in Brüssel adressiert; COPA-COGECA habe die EU-Kommission ebenfalls angeschrieben. Diese erwarte, dass die ukrainischen Zölle Ende 2026 auslaufen.
Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der FNR, stellte Maßnahmen zur THG-Bilanzierung vor. Im verlängerten Vorhaben ThekLa2 werde die Biomasse insgesamt betrachtet, um einzelbetriebliche THG-Bilanzen zu ermöglichen. Grundlage soll eine standardisierte Methodik in Form eines THG-Tools sein, die derzeit am Thünen-Institut entwickelt wird. Eine Schnittstelle soll die Anwendung erleichtern. Dr. Schütte verwies zudem auf die THG-Minderungsverpflichtungen im LULUCF-Sektor. Während C-Einlagerungen in der Forstwirtschaft vergleichsweise einfach nachweisbar seien, sei der Nachweis im Ackerbau deutlich aufwendiger und unsicherer.
In der Herbstsitzung 2025 informierte Stephan Arens, UFOP, über wichtige Brüsseler Themen aus UFOP-Sicht, darunter die Reform der Pflanzenschutz-Zulassung, das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine, die Zollverhandlungen mit den USA sowie GAP, MFR und GMO. Die negativen Folgen der GMO-Reform wurden anhand konkreter Beispiele aus der Handelspraxis diskutiert. Weitere Themen waren NGTs und die Proteinstrategie. Arens berichtete zudem über eine Intensivierung der Kontakte zur neuen Bundesregierung.
Der abschließende Schwerpunkt im Oktober 2025 widmete sich dem Thema „THG-Bilanz als Wettbewerbsfaktor“. Carlo Szameitat, KWS, betonte die wachsende Bedeutung der Nachhaltigkeit aufgrund gesetzlicher Vorgaben wie CSRD und Taxonomie-Verordnung sowie privatwirtschaftlicher Anforderungen, insbesondere der Scope-3-Berichterstattung. Er stellte Ergebnisse von Sortenprüfungen vor, die mit Blick auf eine mögliche Verbesserung der THG-Effizienz untersucht wurden, unter anderem durch eine höhere N-Nutzungseffizienz. Für einen THG-Differenzpreis beim Erntegut seien jedoch weitere Minderungsmaßnahmen erforderlich, etwa eine optimierte Sortenperformance, Stickstoffdüngung und Düngerwahl sowie die Reduzierung von Dieselemissionen. Ein Demonstrationsprojekt zur Erfassung von 1.000 t Raps in Kooperation mit OVID wurde angekündigt.
Birgit Weyand, Yara, erläuterte Möglichkeiten zur THG-Minderung im Ackerbau am Beispiel der Weizenproduktion. Im Mittelpunkt standen insbesondere von Yara entwickelte THG-arme N-Dünger und der Aufbau entsprechender Produktionskapazitäten in den Niederlanden und Norwegen. Am Endprodukt selbst ändere sich nichts. Eine zentrale Herausforderung bleibe die Reduzierung des Düngemitteleinsatzes und damit der Lachgasemissionen.